Mediation in der Erbengemeinschaft
Was haben Immobiliensachverständige mit Streit zu tun? Einiges. Ob Trennung oder Erbfall: Oft geht es nicht nur um Zahlen und Verkehrswerte, sondern um Interessen, um Gefühle, um Menschen.
In der Folge vom August 2020 erklärt Doreen Wolf, frisch ausgebildete Mediatorin, das Prinzip: Ein unbeteiligter Dritter führt durch das Gespräch, die Lösung finden die Beteiligten selbst.
Bei drei, vier oder zwölf Erben ist das Konfliktpotenzial hoch. Mirko Otto kennt die Alternative: jahrelanger Streit vor Gericht, hohe Kosten und ein Urteil, das oft keinen zufriedenstellt.
Die Orange und die fünf Phasen
Zwei Töchter wollen dieselbe Orange. Die Mutter teilt sie, und beide sind unzufrieden, weil die eine den Saft trinken und die andere mit der Schale backen wollte. Niemand hatte gefragt, wozu.

Darum geht es: Hinter jeder Position steckt ein Interesse. Der Weg dorthin hat fünf Phasen: Vorgespräch, Themensammlung, Herausarbeiten der Interessen, Lösungsfindung und Abschlussvereinbarung.
Mirko Otto rät außerdem, ein Gutachten gemeinsam zu beauftragen und beim Ortstermin zusammen dabei zu sein, denn das Gutachten, das einer allein bestellt, überzeugt die anderen selten.
Welche Wege Erben offenstehen, lesen Sie im Beitrag Erbengemeinschaft: Auszahlen, verkaufen oder behalten.
Drei Gedanken aus der Folge
Das Sommerfest. Ein Käufer fragte die Eigentümer, warum sie den Verkauf blockierten. Es ging ihnen um das jährliche Grillfest mit den Mietern. Er sagte es schriftlich zu, und sie verkauften.
Das Familienhaus. Ein Erbe musste Pflichtteile auszahlen und wollte die Teilungsversteigerung. Nach offenen Gesprächen kaufte ihm die Familie den Anteil ab, und das Haus blieb in ihrem Besitz.
Keine fertige Lösung. Die Mediatorin zeigt auf Wunsch, was rechtlich möglich ist, schlägt aber nichts vor. Am Ende müssen die Streitenden selbst sagen können: „stimmt schon, ist okay“.