Die 110-Prozent-Finanzierung
Heute schon „ge-leveraged“? Immer wieder preisen Investoren-Gurus in Foren und bei Facebook Finanzierungen ganz ohne Eigenkapital an. Gibt es so etwas überhaupt?
Mirko Otto rechnet es an einer Wohnung für 100.000 Euro vor, zu der 15 Prozent Nebenkosten kommen. Auf die Immobilie selbst gibt die Bank nur einen Teil, weil sie einen Sicherheitsabschlag macht.
Den Rest bekommen Sie auf Ihre Person, also auf Gehalt und Bonität, so wie einen Kredit für Konsumwünsche. Dass die Bank die Immobilie klasse fände, heißt das gerade nicht.
Mehr dazu lesen Sie im Beitrag Warum die Bank weniger ansetzt als den Kaufpreis.
Was kann schon schiefgehen?
Die Miete deckt Zins, Tilgung und laufende Kosten dann meist nicht mehr ganz, sodass Sie jeden Monat etwas zuzahlen. Fällt ein Mieter aus oder kommt eine Reparatur, ist die Rechnung dahin.
Bei drei Prozent Tilgung im Jahr sind nach fünf Jahren gerade die Nebenkosten abbezahlt. Ist der Markt bis dahin nur um fünf Prozent gefallen, haben Sie trotz aller Raten mehr Schulden als Wert.

Drei Gedanken aus der Folge
Rücklagen. Könnten Sie mitten im Winter eine neue Gasetagenheizung für 4.000 Euro bezahlen? Wenn nicht, ist die Finanzierung auf Kante genäht, auch wenn die Bank sie Ihnen gibt.
Erfahrung. Für Mirko Otto ist der Zahnarzt aus München, der in Berlin ein Mietshaus kauft und auf die Verwaltung vertraut, das höhere Risiko, fast gleich, wie viel Eigenkapital er mitbringt.
Schnell reich. „Finanzierungsbekommer“ und „Immobilieninvestor“ sind verschiedene Dinge. Müssten wir „übermorgen Millionär“ versprechen, dann sagen wir es lieber nicht.