Markt & Politik

Sozial ist, wenn niemand dran verdient

Kolumne von 2017 zum Vorkaufsrecht in Kreuzberg und zur Frage, aus welcher Kasse der Bezirk kauft. Eine Meinung von damals und keine Einschätzung für heute.

2 Min. Lesezeit · April 2017

Straße in Berlin-Kreuzberg im Abendlicht: links sanierte Altbauten mit Stuck, rechts ein Wohnblock aus den Siebzigerjahren, dazwischen Linden und Fahrräder.

Zu wenig Wohnungen, zu viele Versprechen

Die Kauf- und Mietpreise in Berlin steigen und steigen. Für uns Immobiliensachverständige wird es immer schwerer, Objekte zuverlässig zu bewerten, deren Marktwert gefühlt täglich steigt.

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Es gibt viel zu wenig neue Wohnungen. Die Nachfrage ist viel größer als das Angebot.

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Investoren nach Wunsch

In Kreuzberg will der Bezirk stärker in den Markt eingreifen. Anwohner und Kapitalgeber sollen zueinanderfinden, allerdings zu den Bedingungen des Bezirks.

Investoren sollen ausgesucht werden: Wer nicht viel Rendite erwartet, darf investieren. Gemeinnützige Banken, nachhaltige Fonds und Genossenschaften sind willkommen.

Wer richtig Geld verdienen will, macht nach dieser Lesart den Lebensraum von Menschen zur Ware.

Das ist grundsätzlich nicht unsympathisch. Es ist aber schwer umzusetzen. Ich bin gespannt, ob das klappt.

Vorkaufsrecht und Renditebremse

Am Kottbusser Tor steht das Neue Kreuzberger Zentrum zum Verkauf. Der Bezirk hat angekündigt, sein gesetzliches Vorkaufsrecht auszuüben, um das Haus vor dem Ausverkauf zu schützen.

Käufer, die trotzdem zum Zuge kommen wollen, sollen eine Abwendungsvereinbarung unterschreiben.

Darin verzichten sie zum Beispiel auf Modernisierungen, neue Aufzüge oder die Umwandlung in Eigentumswohnungen. Das ließe sich eine Renditebremse nennen.

Das kann Klagen geben. Wer bliebe bei diesem Streit auf der Strecke?

Wer bezahlt?

Sollte der Bezirk wirklich selbst als Käufer auftreten: alle Achtung. Dann würde endlich einmal der bezahlen, dem die Kreuzberger Mischung so wichtig ist.

Offen bleibt nur, aus welcher Kasse. In welchem Haushalt sind solche Käufe vorgesehen? Darauf finde ich bislang keine Antwort.

Geschrieben im April 2017 als Kolumne für das Magazin BERLINboxx. Für den Blog gekürzt und ergänzt im Oktober 2026.

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